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Schlaflos in der Eifel

Kategorie: Detlef Fey Veröffentlicht: Samstag, 17. Februar 2018
Kurzgeschichte über das pulsierende Nachtleben auf dem Lande
von Detlef Fey aus Gilzem.


Und wieder neigte sich einer dieser durchgeknallten Wintertage dem Ende zu, die weder Fisch noch Fleisch waren: Nass, kühl, grau.
Es war merklich ruhiger geworden, denn der hektische Berufs- und Einkaufsverkehr überflutete nicht mehr die Straßen des kleinen Eifeldorfes. Ab und zu lärmte vielleicht mal ein zu lauter Fernseher in einer Rentnerstube, oder man hörte das „Wsch Wsch“ der rundum postierten Windräder.

Der Regen hatte etwas an Stärke zugelegt. Mit einem Schirm bewaffnet, huschte eine blondierte Frau mit ihren Hunden, deren blinkende Halsbänder sich im nassen Asphalt spiegelten, durch die Nacht. Unter einem Balkon stand ein Junggeselle. Er war gerade damit beschäftigt frische Luft zu schnappen, zog aber auch gierig an einem Glimmstängel. Der vorbeigehenden Dame bot er ein billiges Bier an, was diese jedoch, mit Verweis auf die ziehenden, ungeduldigen Tiere, dankend ablehnte.

Ein aufgemotztes Auto hetzte durch die Straßenschluchten, in den engen Kurven quietschten seine Reifen. Man sah, dass die Feierabendgemütlichkeit noch nicht in jeder Wohnung angekommen war: Zum Beispiel im Penthouse der erfahrenen Bankmanagerin: Auf einem Bürostuhl sitzend, schwirrte sie virtuos zwischen diversen PC-Monitoren und Telefonapparaten herum, um belastbares Hintergrundwissen für morgiges Geschäftsmeeting zu erarbeiten.

Oder bei dem Bauern, der spätabends noch bei Kuh Elsa vorbeischaute, die nämlich die Geburt ihres Kalbes für späten Abend bis frühen Morgen angemeldet hatte.
Gegen Mitternacht strömten einige angeheiterte Menschen aus der Gaststätte heraus und wankten der Heimat entgegen. Manche begleiteten sich mit grölendem Gesang, andere wiederum philosophierten silbenverschluckend über Gott und die Welt.
Kurz danach verlies auch ein mittelalterliches Ehepaar die Stätte des alkoholischen Ausschankes. Zwar mit unsicherem Gang, dafür aber engumschlungen. Jeder war des anderen Stütze. Wie im richtigen Leben!

Doch was tat nächtens wohl die Tierwelt? Ein kleiner Teil der Katzenpopulation pirschte im Schutz der Dunkelheit tiefgeduckt umher und gab sich dem Vergnügen der Mäusejagd hin. Der überwiegende Teil jedoch unterhielt ihre Dosenöffner – aus reiner Dankbarkeit– mit klassischer Jammermusik.

Da kommt Freude auf! Des Weiteren glaubte man die Umrisse eines Fuchses zu erkennen, der hungrig um einen gut gefüllten Hühnerstall schlich, das Federvieh riechend. Sorgfältig kontrollierte er die Verschlussmechanismen auf menschliche Nachlässigkeiten, doch nacheiner gewissen Zeit zog er unverrichteter Dinge von dannen.
So zwischen zwei oder drei hallte ein langanhaltendes Muhen durch die Gassen und höre da: Unsere Kuh Elsa brachte ihren Unmut lautstark zum Ausdruck, weil ihr Neugeborenes schon einen Ausflug unternehmen wollte. Ohne Erlaubnis der Mutter!

Eine Stunde später: Schon wieder wurde man aus dem (Fast-)Schlaf gerissen: Unten auf der Kreuzung blubberte ein schwarzer SUV unverdrossen vor sich hin. Eine kräftige Gestalt schwang sich ächzend aus dem Wagen und rannte(!) mit der neuesten Zeitung zu den infrage kommenden Briefkästen.

Kaum die Augen geschlossen, Kälber zählend, riss mich eine zuschlagende Autotür wieder aus dem Schlaf. Einäugig checkte ich die Uhrzeit. Na gut, der Nachbar fährt zur Arbeit. Fröhliches Schaffen! Gott sei Dank konnte ich mich nochmal rumdrehen.

Aber nur ein Viertelstündchen später wurde ich ein weiteres Mal in die Senkrechte katapultiert, denn ein prachtvolles Feuerwerk überstrahlte die Dorfsilhouette.
Notdürftig bekleidete Menschen bevölkerten die Straße und steckten die Köpfe zusammen. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht, dass ein altes Mütterlein aus dem Oberdorf in den frühen Morgenstunden außerplanmäßig wach wurde und den Anschlussschlaf verpasste.
So stolperte sie beim Studium der eben gelieferten Zeitung über die neuesten Lottozahlen, die sie in einen wahren Freudentaumel versetzten. Also wenn das kein Grund war, um die gesammelten Silvesterkracherreste der letzten 80 Jahre anzuzünden!

Da drückte man doch gerne beide Augen zu und ließ sich wieder von der Müdigkeit übermannen. Pünktlich um 5 vor 6 meldete sich der Radiowecker zu Wort und verrichtete sein Handwerk so gründlich und gnadenlos, bis man einsah: Die Nacht ist vorbei!
Oder um es mit einer Liedzeile des großen Frank Sinatra auszudrücken, der schon 1979 erkannt hatte: „Gilzem is a city, that doesn‘t sleep“ (Gilzem ist eine Stadt,
die nicht schläft).

Wie Recht er hatte!!! Oder war alles nur geträumt?

Detlef´s Gedichte & Geschichten

Detlef Fey trägt eines seiner Gedichte vor.


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